Stellungnahme zum Artikel in der Rhein-Zeitung, 28. November 2000
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Bei den Winzern an der  Mosel gärt es
 
 

Moett der gesähnda Keaz nedd mieh ze hällwe?
Gastautorenbeitrag von Norbert Krötz zum  Weinbautag am 5. Februar 2001, veröffentlicht in der R.Z.
 
 

Moet der gesähnda Keaz  nedd mieh ze hällwe, -ein Ausdruck auch an der Mosel für scheinbar ausweglose Situationen. Aber auch gleichzeitig eine direkte Zuweisung der Mit- oder Eigenverantwortlichkeit dieser Lage.

Zweifelsohne befindet sich die Mosel in einem Strukturwandel. Würde ich Krise schreiben, gäbe ich zu, dass man hier keine Phantasie besitzt dieser Misere zu begegnen. Es gibt sie aber, die Akteure und Visionäre. Sie werden nur von ihren eigenen Leuten, von Behörden, Banken und  Verbänden nicht entdeckt, erkannt und gefördert. Sie gelten als Außenseiter und unbequeme Querulanten in einem Vaterland wo die Bürger immer nur die nach außen getragene Harmonie  honorieren, anstatt  sich für eine fair um Ideen wettkämpfende Streitkultur selbst zu beglückwünschen. Neid und Eifersucht tun ihr übriges.  Ist uns wirklich nur mit einer gesegneten Kerze zu helfen?

Solange die Kirche und Klöster, die ja bekanntlich diese Kerzen damals schon segneten, die eigentlichen Grundherren an der Mosel waren, funktionierte diese Landschaft von Eigenbrödlern und Individualisten ganz gut.  Sie hat sich so an das Vordenken der Obrigkeit  und das Obrigkeitsdenken gewöhnt, dass  sie auch heute im 21. Jahrhundert immer noch glaubt: Die oben werden es schon richten! Falsch gedacht!

Wenn Prof. Hoffmann schreibt, wir würden verwaltet wie ein Altersheim, so hat das seine Gründe. Bei uns lebt doch mittlerweile der größte Teil der Bevölkerung im Rentenalter, bzw. unweit dieser Altersgrenze. Wo soll denn da noch Innovation, Weitsicht und objektive Marktkenntnis herkommen? Hier haben mangelndes Anspruchsdenken an Verbände und Politik, mangelnde Eigeninitiative und das sich resigniert-aufgebende Verhalten zur  Depression einer  gesamten Landschaft geführt, die man dann aber auch therapeutisch behandeln müsste! Und zu einer guten Therapie gehört immer zuerst eine gute Diagnose. Derer wurde aber schon so viele gestellt und wenig gehandelt.
Wir müssen zugeben, dass eine biedere Gesellschaft mit depressiven Anflügen sich  wenig eignet als Anziehungskraft für eine dynamische, heranwachende junge und jüngere Verbraucher-Generation. Ist uns wirklich nur mit einer gesegneten Kerze zu helfen? Sicherlich hilft Beten dem, der an die Zukunft glaubt und diesen notwendigen Strukturwandel auch als Chance begreift. Als Chance, die Partner und Paten  und Multiplikatoren sucht für eine der schönsten Flusslandschaften Europas. Wo früher Klöster und Adel mit ihren Vernetzungen für den notwendigen Absatz sorgten, könnte der neue Adel, heute Banken- und Versicherungskonzerne/ Wirtschaftsbetriebe Patenschaften für einen Betrieb, eine Region oder ein ganzes  Dorf übernehmen.
 
 
 
 

Nutzen wir die derzeitige Diskussion in der Fleischproduktion gemeinsam mit unseren Kollegen in der Landwirtschaft zu einem Aufräumen in unseren Verbänden von alteingesessenen Pfründen und falschen Lobbyisten und bringen wir Winzerschaft, Landwirtschaft ,Gastronomie, Kulturschaffende und die Tourismusbranche endlich unter einen wirklichen Dachverband Mosel. Ja,  bewegen wir auch unsere in der Landschaft agierenden Staats- und Kommunaldiener zum Aufbau  einer  begleitenden Mosel-Aktie. Sie müssen bestes Stadt- und LandManagement praktizieren!  Wer uns nämlich Eigenverantwortung lehren will, muss diese endlich auch einmal eigenverantwortlich und „risikobereit“, z.B.  in einer Aktie  vorleben, um nicht  als  teurer Mitesser in Verruf zu geraten. Der Gesetzgeber muss Steillagenwein durch neue, einschneidende Gesetze schützen und herausheben.  Und wo so viele Betten und Tische auf den Gast warten wie an der Mosel, kann man nicht agieren wie ein „Altersheim“, sondern man muss zugehen auf die möglichen Gäste und Weinverbraucher, ob auf dem Fußballfeld,  dem Centre-Court, ob bei Schumi oder Rock am Ring.
Zeigen wir uns doch endlich wieder weltoffen wie schon seit Urzeiten alle Anlieger von Flüssen als Weltbürger galten. Heute schaffen wir kaum den Blick über unsere Berge und sehen mit Eifersucht  hoch  auf die neuen Transportkisten, die uns am Himmelsweg nicht nur unsere potenziellen Touristen in andere Regionen am Mittelmeer weg-transportieren, sondern auch noch die dortigen  Weine bekannt machen, die sich eigentlich hinter unseren Spitzenweinen  weit hinter Bergen verstecken müssten.

Warum landen auf dem Hahn noch nicht mehr Touristen für unsere Regionen? In London weiß kein Mensch, dass Frankfurt /Hahn direkt am Tor  zur Mosel und zum Rhein liegt! Und dabei schreibt einer ihrer Landsmänner, der weltbekannte Weinkenner Oz Clarke: ..dass es nirgendwo auf der Welt wohl schöner gelegene Weinberge gibt wie an der Mosel“. Sind wir so wenig professionell? Wo sitzen denn unsere „Fachleute“, die diese Vorzüge immer noch nicht an den Mann, an die Verbraucherin bringen?  Auch in der derzeitigen BSE-Diskussion wird immer deutlicher: Die vielen kleinen Familienbetriebe an Mosel, in der Eifel und im Hunsrück  können zukunftsfähiger als die industriellen Massenbetriebe sein  Denn hier wird Natur und Kreatur noch geachtet. Und gesünder  ist das auch noch!  Was wollen wir noch mehr!.
Nutzen wir doch endlich diese Chancen, bevor uns noch nicht mal mehr mit der gesegneten Kerze zu helfen ist.

Norbert Krötz  Ediger a.d. Mosel     Hochstraße 24  56814 Ediger-Eller,  email: officina@t-online.de
         Telefon ISDN 02675- 255  Telefax  02675-1625
 

Zur Person:
Norbert Krötz, der als Berufbezeichnung „Mosellaner“ angibt, betreibt die Erlebnis-Gastronomie „Christoffel“ in Ediger und hat dort über sein Kulturbüro „officina novum“ eine Reihe von Veranstaltungen touristischer und kultureller Art ins Leben gerufen, Am erfolgsreichsten sein „Römischen Festmahle“ Norbert Krötz ist Mitglied im Ortsgemeinderat und im Verbandsgemeinderat Cochem-Land, dort als Vertreter der UBG, und Erster Beigeordneter der Gemeinde Ediger-Eller. Bereits 1994 hatte eine Expertenrunde zu dem Thema „Erzeugerpreise und Erhalt der Weinkulturlandschaft“ initiiert.
(RZ am 5 Februar 2001 )
 
 

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